
Wenn Räume lebendig werden
8. September 2026 · published by Wiebke Borchers, Nachhaltigkeit & Kommunikation
Erschienen in der StadtZeit Kassel, Ausgabe 127, verfasst von Klaus Schaake.
Zur aktuellen Ausgabe: StadtZeit No. 127
Offene Begegnung, selbstbestimmtes Lernen, individuelle Entwicklung: Seit 15 Jahren schafft die WELL being Stiftung mit sozialen und kulturellen Projekten Räume für Kinder, Jugendliche und Familien – Orte, an denen Teilhabe entsteht und Potenziale wachsen.
Stell dir vor, du betrittst einen Raum – und plötzlich traust du dir etwas zu, das du vorher nicht für möglich gehalten hättest. Genau das passiert in der UK14 in Kassel. Schülerinnen und Schüler stehen im Scheinwerferlicht. Ihr Herz klopft. Sie holen tief Luft – und dann geht es los. Das Publikum hört zu. Wirklich zu. In diesem Moment wächst etwas in den Kindern, das kein Schulbuch der Welt erklären kann: das Gefühl, dass die eigene Stimme zählt. Solche Momente entstehen nicht von alleine. Sie brauchen Menschen, die daran glauben, dass in jedem Kind und jedem Jugendlichen etwas steckt, das nur darauf wartet, entdeckt zu werden. Und sie brauchen Orte, an denen das möglich ist.
Was Kinder wirklich brauchen
Genau darum geht es der WELL being Stiftung. Seit 15 Jahren – gegründet 2011 in Kassel – schafft sie in Nordhessen Räume, in denen Kinder, Jugendliche und Familien genau das erleben können. „Uns ging es von Anfang an darum, Orte zu schaffen, an denen junge Menschen sich ausprobieren und ihre Fähigkeiten entfalten können“, sagen Kirstin Homburg-Kleinkauf und Uwe Kleinkauf, die Mitbegründer der Stiftung. „Langfristig – und immer nah an den Menschen.“
Eine Bühne, die mehr ist, als eine Bühne
Beim Nordhessischen Schultheaterzentrum, das die Stiftung seit 2019 fördert, proben Schulklassen ihre Stücke. Sie tanzen, spielen, streiten auf der Bühne – und verhandeln dabei ganz nebenbei Themen, die sie wirklich bewegen: Freundschaft, Gerechtigkeit, Identität, die Welt, in der sie aufwachsen. Die moderne Bühne steht Schulen als außerschulischer Lernort offen – und stellt gleichzeitig eine wichtige Frage: Wie könnte Schule eigentlich aussehen, wenn wir wirklich ernst nehmen, wie Menschen lernen?
Kunst, Natur, Gemeinschaft – und Menschen, die brennen
Was die WELL being Stiftung besonders macht: Die Menschen, die hier arbeiten, bringen sich selbst mit ein – mit ihren Leidenschaften, ihren Fähigkeiten, ihrer Überzeugung.
Die Künstlerin Birgit Emser lädt Kinder in das „raumlabor“ ein. Dort verbinden sich Malerei und Digitalität, Fantasie und Technik. Der Sozialpädagoge Michael Neuner zieht mit seiner Gruppe „Die Poradas“ raus in die Natur. Kinder und Jugendliche aus Pflege- und Adoptivfamilien erleben dabei: Ich kann etwas. Ich werde gesehen. Ich gehöre dazu. Und der Theaterregisseur Tobias Krechel leitet die Geschäftsstelle der Stiftung – und begleitet alles, was mit Bühne und Spiel zu tun hat, mit dem Herz eines Menschen, der selbst weiß, was es bedeutet, auf der Bühne zu stehen.
Wachsen braucht Verlässlichkeit
Über eigene Projekte hinaus unterstützt die Stiftung von Anbeginn an Institutionen wie den Klangkeller, die Kopilot:innen, die Mister Wilson Skatehalle oder die Freestyle Halle, die sich dauerhaft in der Kasseler Jugendkulturszene etablieren konnten – indem die Stiftung in deren Anfangszeit wichtige Mitarbeitendenstellen mitfinanziert hat und so Türen geöffnet wurden, die sich sonst vielleicht nie aufgetan hätten. Denn eines weiß jeder, der mit Kindern arbeitet: Vertrauen braucht Zeit. Wachsen braucht Verlässlichkeit. Nichts ist schlimmer als ein guter Anfang, der einfach aufhört. Genau deshalb lautet der Leitsatz der Stiftung: „Verantwortung gemeinsam leben.“
Instagram: wellbeingstiftung